Pensum shot the serif, but didn’t shoot no legibility

Es könnte so einfach sein: Serifen abschneiden und fertig ist die Pensum Sans. Doch in der Welt des Schriftgestalters wird das Ganze komplexer als anfangs gedacht. Wie kann man das bewährte Grundkonzept mit elementaren Details beibehalten und trotzdem eine verspielte serifenlose Textschrift entwickeln?

Pensum Sans The Making Of Legible Nils Thomsen Type Mates 1

Lass uns mit einem Detail anfangen, welches Nils einfach nicht aufgeben wollte, aber lange überlegte, wie stark ausgeprägt es eingesetzt werden kann. Die Einkerbung im n Bogen zum Stamm wurde hier etwas zurückgenommen, aber immer noch so deutlich gelassen, dass sie zwar in Lesegrößen verschwindet, allerdings als Charakteristika im Großen überzeugt.

Pensum Sans The Making Of Legible Nils Thomsen Type Mates 2

Die Sans soll etwas unauffälliger und gleichmäßiger im Textbild laufen als die Pensum Pro, weshalb die runden Zeichen wie z.B. das O, o usw. bei der Sans etwas schmaler angelegt sind.

Pensum Sans The Making Of Legible Nils Thomsen Type Mates 3

Während die Serif und die Display die gleiche Stammbreite teilen, haben wir uns entschieden die Sans mit einem optisch gleichen Grauwert im Lesetext an die Serif anzugleichen. Das hat zur Folge, dass der Stamm der Pensum Sans leichter ist als der ihrer Kameraden, da der geringere Kontrast die Schrift im Textbild schwärzer erscheinen lässt.

Pensum Sans The Making Of Legible Nils Thomsen Type Mates 4

Überraschung! Die Sans läuft noch platzsparender als die Pensum Pro Serifenschrift und die Display.

Pensum Sans The Making Of Legible Nils Thomsen Type Mates 5

Um in der humanistischen Sans weiterhin mit neun Gewichten arbeiten zu können, wurde diese so angelegt, dass je fetter die Schrift, desto kontrastreicher wird die Pensum Sans.

Pensum Sans The Making Of Legible Nils Thomsen Type Mates 6

Der erste Entwurf der Pensum Sans orientierte sich sehr an humanistischen Schriften. Hier fällt auf, wie weich und niedlich die Sans wirkt und dass ihr Charakter noch nicht wirklich zur Serif passt. Auch kann man hier direkt erkennen, dass die gleiche Stammbreite bei der Pensum Sans zu einem optisch fetteren Ergebnis führt als bei der Serif Pensum Pro.

Pensum Sans The Making Of Legible Nils Thomsen Type Mates 7

Diese drei Varianten vom a zeigen wie im Laufe der Entwicklung der Sans immer mehr Schärfe in die Form gebracht wurde.

Pensum Sans The Making Of Legible Nils Thomsen Type Mates 8

Die oben angesprochene Schärfe war nötig, um den fehlenden Charakter, den die kantigen Serifen eingebracht haben, auszugleichen. So musste die Pensum Sans auch auf die pinselartigen Abstriche verzichten.

Pensum Sans The Making Of Legible Nils Thomsen Type Mates 9

Kleine entscheidende Details - wie der geschwungene Abstrich im a oder der leicht abgeschrägte horizontale Balken im e - haben ihre Stellung in der Sans eingenommen und erfüllen ihre Aufgaben mit Bravour. Weil das a und e nun nach außen spitzer werden, harmoniert die Sans auch optimal mit der Pensum Display.

Pensum Sans The Making Of Legible Nils Thomsen Type Mates 10

Ein kleiner Einblick in den komplexen Prozess der Gestaltung der Kursiven: Anfangs orientierte sich Nils noch sehr stark an der Pensum Pro, merkte aber schnell, dass die geschwungenen Formen in der Sans nichts zu suchen haben.

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Das kleine x musste somit auch seine extravagante Form aufgeben.

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Genauso wurde das y immer gerader gezogen, sodass der tiefe Einschnitt aus der Serif und der Display schlussendlich komplett weichen musste.

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Letztendlich haben diese Begradigungen der extravaganten Zeichen k, v, w, x, und z dazu beigetragen, dass die Kursive lebendig bleibt, aber dennoch seriöser wirkt.

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Auch wenn die Sans seriös geworden ist, wurden ein paar verspielte Details eingearbeitet. So wurden z.B. die Enden der Versalien hin und wieder angeschrägt, um sie mit den Spitzen zu beleben.

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Normalerweise benötigt eine Sans keine verschnörkelten Ligaturen, aber Nils, der Romantiker, konnte nicht widerstehen und hat der Sans trotzdem elegante typografische Ligaturen verpasst.

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Während des Prozesses mussten wir immer wieder abwägen, welche Zeichen mehr Seriosität brauchen und welche verspielter bleiben können. Bei den Ziffern war jedoch kein Abwägen nötig. Uns war sofort klar: Diese mussten seriöser, schlichter und somit weniger schwungvoll gestaltet werden. So ist die 3 und 5 im Verhältnis ausgewogener und der Schwung der 3, 5 und 6 weniger ausgefallen.

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Und wenn wir schon bei den Ziffern sind: Um ehrlich zu sein, es gibt ein Zeichen mit einer SERIFE, auch wenn die Schrift ohne eine einzige Serife beworben wird. ;-) … tja, dafür funktionieren die Tabellenziffern immerhin.

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